Landschaft mit Künstler und Grabhügel

Monday, October 11. 2010


Der nächtliche Lehrer
Klaus Böldl
S.Fischer 2010
126 S.

Die Geschichte eines Einzelgängers im schwedischen Wald. Wer jetzt robuste, holzfällende Wikinger erwartet, könnte enttäuscht werden, denn sowas gibt es in Klaus Böldls neuem Roman Der nächtliche Lehrer nicht. Nach Abschluss seines Referendariats in Stockholm soll Lennart seine erste Stelle als Kunst- und Religionslehrer – mit Betonung auf dem Fach Kunst – in der kleinen Stadt Sandvika antreten. Während andere sicherlich darüber entsetzt wären, in die dunkelste Provinz versetzt zu werden – Lennart braucht eine Weile, um Sandvika überhaupt auf der Karte zu finden, was dem neugierigen Leser aber glatt misslingt, denn Sandvika existiert gar nicht, zumindest nicht in Schweden –, findet sich der Protagonist schnell damit ab und gewinnt sogar beim ersten Besuch in Sandvika den Eindruck, dass er durchaus dort leben könnte. Ruhig und zurückhaltend genießt Lennart die Nähe der in der schwedischen Einöde allgegenwärtigen Natur mehr als die der Menschen, lernt jedoch eine Frau kennen, die Bibliothekarin Elisabeth, die er heiratet und mit der er sogar ein Kind bekommen sollte, wäre sie nicht hochschwanger in einem Verkehrsunfall gestorben. Was darauf folgt ist die stark elliptische Erzählung einer Trauer über Jahrzehnte hinweg: Lennart zieht sich immer mehr in die Natur und in sich selbst zurück, schreibt sogar ein erfolgreiches – nur bei den lieben Kollegen nicht, denen künstlerische Visionen nicht geheuer sind – naturphilosophisches Buch, Waldgedanken, und geistert durch Stadt und Nacht herum.

Romane über Trauer können leicht in die Pathosfalle geraten, nicht aber Der nächtliche Lehrer. Statt einer psychologischen Studie liefert Klaus Böldl vielmehr eine Art Beobachtungsprotokoll. Wie sehr der Tod seiner Frau Lennart mitnimmt, versteht man erst durch die irritierte bis feindselige Reaktion seiner Kollegen auf sein Verhalten und die jahrzehntelange Wiederholung bestimmter Rituale. Was er genau fühlt, kann der Leser nur erahnen, denn es ist etwas Unsagbares. Diese erzählerische Zurückhaltung wird zwar viele frustrieren, mündet aber keinesfalls in 126 Seiten Leere, sondern erlaubt das Einbetten einer Fülle von Motiven, dank derer Der nächtliche Lehrer zu einem gelungenen atmosphärischen Roman wird. So kommt Lennarts Ankunft in Sandvika, ganz am Anfang des Romans, einem geradezu photographisch oder filmisch vor. Die Hitze, die lange Zugreise, die leeren Straßen und das halb leere Restaurant mit dem stinkenden Stammalkoholiker: Man braucht wirklich nicht viel Einbildungskraft, um die Ankunft des neuen Lehrers in der schwedischen Kleinstadt in den ersten Auftritt eines Cowboys im Saloon eines Präriekaffs im Wilden Westen zu verwandeln. Und Lennarts erster Besuch in der wegen der Maihitze völlig leeren Schule könnte problemlos dem japanischen Kino bzw. Anime entstammen, die solche Szenen zu ihrem Standardrepertoire zählen – allerdings ist diese Ähnlichkeit mit großer Sicherheit ein reiner Zufall und kein gewollter Effekt.

Wie von einem Altskandinavisten zu erwarten ist, finden in Der nächtliche Lehrer aber auch Elemente aus Skandinaviens Frühgeschichte und aus dem Mittelalter Verwendung: Lennart hält sich am liebsten auf einem bronzezeitlichen Grabhügel auf, vertieft sich in der Kontemplation teils religiöser, teils grotesker Kalkmalereimotiven in einer kleinen Kirche, erzählt Elisabeth von der Vorliebe des Werwolfs für schwangere Frauen – der Verzehr eines ungeborenen Fötus soll das einzige Heilmittel gegen Lykanthropie sein – und wird irgendwann zum Wiedergänger seinerselbst. Wer mit Klaus Böldls Forschungsinteressen vertraut ist oder gar seine Veranstaltungen besucht (hat) wird hier also mit großer Freude auf alte Bekannte treffen. Diese Motive dürfen jedoch nicht für eine bloße Forschermarotte gehalten werden. Sie tragen zu einem Verwirrspiel zwischen Realität und Erfindung bei, indem Fakten – der Aufbau von Grabhügeln, die Kalkmalereienmotive, das Faible des Werwolfs für schwangere Frauen (echt in dem Sinne, dass es sich um eine dokumentierte Sage handelt) – in einer fiktiven Landschaft zusammentreffen. Und dieses wird noch durch Entlehnungen aus dem Repertoire des Märchens und des Mythos verstärkt. So erblickt Lennart im Wald mehrmals ein junges Mädchen im roten Kleid und zieht eine Parallele zwischen Elisabeth im Grab und der jungen Frau im Grabhügel, also zwischen seinem individuellen Verlust und einem Wesen aus einer sagenumwobenen Zeit, das längst seinen Weg ins kollektive Gedächtnis gefunden hat, wodurch er seiner Trauer eine mythische Dimension verleiht. Lennarts Figur selbst, die sich vollends der linearen Zeit zu entziehen und sich der zyklischen Zeit hinzugeben scheint, indem ihr nur noch die Jahreszeiten und nicht mehr die Jahre etwas bedeuten, und die zwischen den Welten (Stadt/Natur, Inland/Ausland, Leben/Tod) wandert wie keine andere, übernimmt mythische Züge. Am Ende bleibt eine gespenstische Erscheinung übrig, immer den selben abgenutzten Anzug und die ewig wiederkehrende Aktentasche tragend, die jeder vom Sehen kennt, deren Geschichte aber langsam verloren geht. Selbst Lennarts Buch, dieser internationale Erfolg, scheint verschwunden zu sein, dem Internet keiner Erwähnung wert und für die jüngere Generation somit eine Chimäre.

Zu kritisieren ist an diesem Roman nur wenig: die etwas zu lang geratene erste Beschreibung von Lennarts Wanderungen durch den Wald – Linné und Rousseau lassen grüßen – und vor allem der inflationäre Gebrauch des Ausdrucks „ein wenig“. Call me crazy und pingelig aber selbst bei allem Verständnis für den dadurch erstrebten dämpfenden und nuancierenden Effekt geht mir sowas gehörig auf die Nerven, zumal das gelegentliche Ersetzen durch „ein bisschen“ oder „etwas“ das Problem hätte lösen können. Dessen ungeachtet ist Der nächtliche Lehrer aber ein schöner und kluger Text über Trauer, Kunst und Einsamkeit, der statt Spannung suggestive Kraft und lang nachhallende Bilder bietet. Sehr lesenswert.

Der nächtliche Lehrer erscheint bei S. Fischer.




Die einzige Frau, die nicht wahnsinnig ist

Sunday, September 12. 2010


Traumfabrik
Sara Stridsberg
S. Fischer 2010
Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein
(schw. Orig. 2006)
336 S.

Über Sara Stridsbergs Roman Traumfabrik habe ich schon des Öfteren geschrieben, allerdings noch keine deutsche Rezension davon auf diesem Blog veröffentlicht. Nun ist die deutsche Übersetzung endlich erschienen und ich freue mich, euch den Artikel, den ich fürs Missy Magazine darüber verfasst habe, hier zeigen zu dürfen.

"Valerie Solanas ist vor allem für zwei Dinge bekannt: den Mordversuch an Andy Warhol 1968 und das SCUM Manifesto, in dem sie ein flammendes Plädoyer für die Abschaffung der Männer hält. Nach einer von sexuellem Missbrauch gezeichneten Kindheit studierte die 1936 in New Jersey geborene Solanas Psychologie. Man vermutet, dass sie sich danach mit Prostitution über Wasser hielt, bevor sie sich 1966 in New York niederließ, wo sie das Theaterstück Up Your Ass verfasste. Der Versuch, es von Andy Warhol produzieren zu lassen, scheiterte. Solanas bewegte sich weiter im Kreis von Warhols „Factory“, fühlte sich aber gleichzeitig von ihm ausgenutzt. Nach den Schüssen auf Warhol saß sie ein paar Jahre im Gefängnis, verfolgte ihn weiter, wurde immer wieder in die Psychiatrie eingewiesen und geriet allmählich in Vergessenheit. 1988 starb sie einsam in einem Obdachlosenheim in San Fransisco.

Valerie Solanas’ schlecht dokumentiertes Leben räumt viel Platz für Spekulationen ein. Insofern erscheint Sara Stridsbergs Entscheidung, ihren an dieses Leben angelehnten Roman Traumfabrik mehr als literarische Fantasie denn als klassische Biografie zu konzipieren, sinnvoll. Sie verzichtet auf eine chronologische Erzählung und erfindet Dialoge mit real existierenden Personen, wie Solanas’ Mutter Dorothy, und fiktiven Figuren wie Cosmogirl. Sie geht so weit in ihrer Bekenntnis zur Fiktion, dass sie Konversationen zwischen der Erzählerin (Stridsbergs Alter Ego) und Solanas inszeniert, in denen diese sich über die Art und Weise beschwert, wie ihre Geschichte erzählt wird. Schnell wechselnde Szenerien, Refrains, dazwischen geschobene Fragen, allein stehende Dialoge und sogar Listen: Elemente der Lyrik, des Dramas und des Films fließen hier ein. Der Text ist in seiner Form so extrem und experimentierfreudig wie seine von Stridsberg schillernd imaginierte Protagonistin, die sich weder Professoren noch Richtern oder Psychiatern beugt. Auch aus feministischen Kreisen fliegt sie wegen ihres sexy Erscheinungsbilds und ihrer radikalen Positionen raus und wird trotz allem bis zum Schluss mantraartig beteuern, sie sei die einzige Frau, die nicht wahnsinnig sei.

In Schweden erregte Traumfabrik große Aufmerksamkeit und erhielt 2007 den Literaturpreis des Nordischen Rates, die wichtigste literarische Auszeichnung Skandinaviens. Schon in ihrem 2004 erschienenen Debüt Happy Sally hatte Stridsberg sich mit einer historischen Frauenfigur auseinandergesetzt, nämlich Sally Bauer, die 1939 als erste Skandinavierin den Ärmelkanal durchschwamm. In ihrem dritten Roman Darling River hingegen, der im März in Schweden herauskam, widmet sie sich einer fiktiven Figur: Nabokovs Lolita."

Aus Missy Magazine #03/10.

Traumfabrik erscheint bei S. Fischer.


Lady Oscar au Québec

Saturday, August 14. 2010


La petite et le vieux
Marie-Renée Lavoie
XYZ 2010
238 p.

Décidément les Québécois(e)s sont très fort(e)s en littérature. Après avoir été enchantée par ma découverte de Michel Tremblay et de Nicolas Dickner (euhh, critique à venir, un jour) je me suis lancée dans le premier roman de Marie-Renée Lavoie, dont j'avais entendu l'interview dans la super émission littéraire de Radio Canada, Vous m'en lirez tant (vive la baladodiffusion/le podcast!). En l'entendant dire que l'héroïne de La petite et le vieux est une gamine de huit ans (au début du récit) qui, refusant d'être une fille (parce que c'est trop faible une fille, croit-elle), se fait appeler Joe au lieu d'Hélène en hommage aux Quatre filles du docteur March et se prend pour Lady Oscar, son héroïne préférée, j'ai tout de suite dressé l'oreille et pris note du titre. Un roman québécois rendant gloire à la vaillance et au romantisme animés nippons des années 70-80 – et de manière plus générale aux héros de fiction en tant que modèles et compagnons de route –, pas de doute possible : c'est pour moi !! Bon, j'avoue, l'import de littérature québécoise coûtant un bras, je me suis quand même dit un court instant que je ne devais pas avoir toute ma tête. Fort heureusement, la lecture de La petite et le vieux m'a vite rassurée sur l'état de ma santé mentale, car c'est un livre JU-BI-LA-TOI-RE ! Rien de moins. Et pour ceux d'entre vous qui se demanderaient qui peut bien être Lady Oscar, sachez qu'il s'agit d'une jeune aristocrate que son père a élévée comme un garçon et qui se retrouve capitaine de la garde rapprochée de Marie-Antoinette. Ajoutez à l'aspect divinement queer de cette histoire les tourments et dilemmes moraux de la Révolution française, une amitié ambiguë avec André, un jeune homme issu du peuple, le Comte Fersen, de grands et beaux sentiments, de longs cheveux et d'amples capes flottant au vent et vous obtenez une série japonaise mythique – que je n'ai même pas eu le droit de regarder quand j'étais enfant... la vie est injuste. Mais revenons à nos moutons :

Joe est donc une petite fille de huit ans – mais elle se fait passer pour plus âgée – particulièrement exaltée et avide d'héroïsme qui vit dans le quartier de Limoilou à Québec avec une mère dont l'autorité ferait pâlir un général, un père que son travail de prof désespère et trois sœurs aux caractères bien différents du sien. A Limoilou fut mis en place dans les années 70 un nouveau système de désinstitutionnalisation des malades mentaux inoffensifs, si bien que Joe compte parmi ses voisins hauts en couleur quelques-uns de ceux qu'elle appelle affectueusement „les fous“. Un jour, le voisinage s'enrichit d'un nouvel arrivant, Roger, un vieil ours bourru aux jurons copieux et invraisemblables, dont Joe deviendra, après quelques réticences, l'amie. La petite et le vieux est le récit de cette amitié et du quotidien, sur plusieurs années, de cette famille et de ce quartier à travers les yeux de Joe. S'il n'y a pas vraiment d'intrigue, il est cependant impossible d'en trouver la lecture ennuyeuse. Entre la justesse des réflexions de Joe – elle est jeune adulte lorsqu'elle revient sur son enfance, ce qui lui permet un certain recul – et de son décorticage du monde, les facéties et scènes de ménage dégénérant en divertissement public des habitants du quartier, les incursions d'Oscar et de la Révolution française dans la vie de tout ce petit monde et les gueulantes de Roger, franchement c'est un feu d'artifice perpétuel. Marie-Renée Lavoie possède un humour phénoménal même et surtout dans la description des scènes les plus tristes. En effet, si j'ai beaucoup ri en lisant La petite et le vieux, j'ai parfois aussi eu le cœur serré. Sincèrement. Et il est d'ailleurs tout à fait remarquable que Marie-Renée Lavoie ait réussi dans ce récit d'enfance, pourtant un exercice casse-gueule à cet égard, à faire passer tant d'émotions sans tomber dans la niaiserie – un peu comme Michel Tremblay dans La Traversée du continent. La petite et le vieux est méchamment bien écrit ! Rien que la façon dont Joe file les métaphores militaires et héroïques et intègre le personnage d'Oscar à son expérience du monde, c'est un régal. Allez, deux petites citations pour finir :

A propos de Lady Oscar :
Et je ne vous parle pas de sa belle épée, de son fourreau doré, de ses bottes à éperons, de son magnifique cheval blanc, de son œil pénétrant et assuré, toujours plein de larmes et de lumière, et du vent, oui, surtout, de tout ce vent qui semait l'apocalypse dans ses cheveux invraisemblablement longs, épais et légers, qui battaient la mesure de la chanson thème : „Lady, Lady Oscar, elle est habillée comme un garçon, Lady, Lady Oscar, personne n'oubliera jamais son nom.“ Pas de grands héros sans bourrasques de vent, dans les dessins animés japonais. Pas de drame sans saccage de mise en plis. Quoi de plus convaincant, d'ailleurs, qu'un cheveu ébouriffé pour évoquer le courage, la force de caractère du guerrier qui résiste aux méchants symbolisés par ce vent qui se démène en vain. Dans l'air immobile, tout ça nous échappe, les Japonais l'ont compris. (p. 9-10)
Autre exemple qui illustrerait parfaitement cette vérité essentielle : Albator.

Un petit aperçu du langage fleuri de Roger (en pleine protestation alors qu'on l'emmène à l'hôpital) :
Surtout pas, mes sacristies de punaises, que je vous pogne pas à y dire un mot sur moé, sinon je vous neille dans le bénitier quand j'vas ressoudre. (p. 146)
Ce „mes sacristies de punaises“ est absolument digne du Capitaine Haddock ;-).

J'attends avec impatience le prochain roman de Marie-Renée Lavoie, car franchement je n'ai qu'un seul reproche à faire à son premier opus, celui d'être trop court ! J'en redemande !

La petite et le vieux est paru chez XYZ. Pour se le procurer en France (et en Europe), le plus simple est de passer par la Librairie du Québec à Paris.


Es ist soweit.../Ça y est... (II)

Friday, August 13. 2010


Die neue Missy kommt Montag raus! Zu dieser Ausgabe habe ich zwei Texte beigetragen: einen Artikel über Yoko Tsuno für die Reihe der „Lieblingsstreberinnen“ und den Literatur-Aufmacher über Sara Stridsbergs endlich auf deutsch erscheinenden Roman Traumfabrik, den ich euch wärmstens empfehle. Hervorzuheben sind auch das neue, knalligere Layout der Zeitschrift und der lange Artikel über die neue weibliche erotische Literatur, den ich euch nur ans Herz legen kann ;-).



La Missy nouvelle paraît lundi ! J'ai signé deux textes pour ce numéro : un article sur Yoko Tsuno pour la rubrique „Lieblingsstreberinnen“ (comprenez les „têtes“ ou „cerveaux“ préféré(e)s) et une critique/présentation du roman de Sara Stridsberg, La faculté des rêves, qui paraît enfin en allemand et que je vous recommande toujours autant. Notez également que la revue a un nouveau look plus audacieux et contient un long article sur la nouvelle littérature érotique féminine dont je ne peux que vous conseiller la lecture ;-) (oui, c'est en allemand, ça peut poser problème à certain(e)s, je sais).


Nota Bene: BiLLet MULtilinGUE / mulTILINgual PoST / MEHRsprachIGER EinTRag / FlerSPRÅkigt inlÄgG



Sanningen om Sascha Knisch
Aris Fioretos
Norstedts 2002
334 s.
Sanningen om Sascha Knisch är andra delen av Aris Fioretos trilogi om kropp och vetenskap. Jag har läst den första delen, Stockholm noir, som handlade om hjärnan och spelade i Stockholm på 1920-talet, för några år sedan och tyckte att den var mycket intressant, fast inte precis lätt att läsa. Sanningen om Sascha Knisch är ännu bättre – och inte mindre krävande – och handlar, som titeln på boken redan antyder, om Sascha Knisch, en ung österrikare som jobbar som filmmaskinist i Weimarrepublikens Berlin. Och som gärna klär sig som kvinna, något han får göra endast hemligt. Därför besöker han en minette, Dora, som ska visa för honom hur man „blir“ kvinna. De blir till och med vänner men hon dör/blir mördad – man vet inte så riktigt – medan han gömmer sig halvnaken i hennes garderobe... Sen berättar Sascha om sitt och Doras liv, om allt som händer kring dem i Berlin på den tiden och har med kön som biologisk och social kategori och med sexualitet att göra. Å ena sidan finns hälsorådets Froehlich (en fiktiv version av Magnus Hirschfeld) Stiftelse för Sexualforskning och undersökningen av „det gråa könet“, å andra sidan Horst Hauptsteins fascistiska „Brödraskap“ och dess strävande efter den 100-procentiga manlighet och „testklarnas triumf“ (ett programmatiskt uttryck).

Allt beror på tolkningen i Sanningen om Sascha Knisch, för ingenting är som det ser ut: en stad är inte bara en stad utan ett tecken, en symbol för kroppens vetenskapliga undersökning; en man inte bara en man och en kvinna inte bara en kvinna, utan en konstruktion. Till och med Saschas labyrintiska berättelse måste tolkas och det blir klart att det inte går att veta säkert vad som är sant, för alla ljuger, framför allt Sascha. Signaler för att texten är en (lekfull) fiktion som man inte får tro på finns överallt: till ex. vissa namn (Karla Manetti d.v.s. „Manna“) eller epilogen till Saschas berättelse som presenteras som „bihang“, alltså ett uttryck för testiklar som används flera gånger i romanen. Och Sascha själv verkar lite konstig som figur: med allt som händer i hans liv kunde man tänka sig, att han, som dessutom är berättaren, skulle känna och undersöka starka emotioner. Men så är det inte, han visar hellre kroppsliga, somatiska symptomer som smärta eller upphetsning än psykologiska variationer som till ex. sorg.

Jag tyckte jätte mycket om hur Aris Fioretos undersöker förhållandet mellan vetenskap, sexualitet, politik, världshistoria, moral och konst och om hur han blandar historiska – köns och könsidentitetens reducering till en viss sexualorientering – och moderna – kön som konstruktion med flytande gränser – könsteorier. Sanningen om Sascha Knisch är en mycket intelligent och ibland rolig roman som jag skulle rekommendera till alla Berlin- och köns(teori)intresserade.

Sanningen om Sascha Knisch publiceras av Norstedts.



La vérité de Sascha Knisch
Aris Fioretos
Le Serpent à plumes 2008
trad. de l'anglais par Anne Damour
448 p.
La vérité de Sascha Knisch est le deuxième volet de la trilogie d'Aris Fioretos (auteur suédois contemporain d'origine gréco-autrichienne) sur le corps et la science. J'ai lu le premier volume Stockholm noir (non traduit en français), dans lequel il était question du cerveau et du Stockholm des années 20, il y a quelques années et l'avait trouvé très intéressant bien que pas évident à lire. La vérité de Sascha Knisch est encore meilleur – mais non moins exigeant – et raconte l'histoire, comme le titre l'indique, de Sascha Knisch, un jeune Autrichien travaillant comme projectionniste dans le Berlin de la République de Weimar. Et qui aime s'habiller en femme, une activité bien entendu secrète qui l'amène à solliciter l'aide d'une professionnelle, Dora, qui doit lui apprendre comment „devenir“ une femme. Leur relation se transforme petit à petit en amitié mais Dora meurt/est assassinée – on ne sait pas trop – tandis que Sascha est caché, à moitié nu, dans le placard de la jeune femme... Sascha fait ensuite le récit de sa vie et de celle de Dora ainsi que de toutes les explorations du genre, du sexe et de la sexualité entreprises à l'époque à Berlin. On y trouve d'un côté la Fondation de Recherche Sexuelle du docteur Froehlich (une version fictive de Magnus Hirschfeld) et son étude du „sexe gris“, d'un autre la „Brödraskap“ (société fraternelle) fascite de Horst Hauptstein cherchant à atteindre la virilité maximum et „le triomphe des testicues“ (tout un programme).

Dans La vérité de Sascha Knisch, tout est une question d'interprétation, car les apparences y sont trompeuses : ainsi la ville n'y est-elle pas seulement une ville mais aussi un signe, un symbole de l'exploration scientifique du corps ; un homme n'est pas seulement un homme de même qu'une femme n'est pas juste une femme mais une construction. Pareil pour le récit labyrinthique de Sascha qui exige, lui aussi, un travail d'interprétation. Il apparaît en effet assez vite que l'authenticité des faits relatés est loin d'être garantie, car tout le monde ment, Sascha le premier. Les signaux indiquant que le texte est une fiction ne manquent pas, qu'il s'agisse par ex. de jeux de mots dans certains noms (Karla Manetti, „Karl“ signifiant à l'origine „homme“) ou bien de l'épilogue au récit de Sascha intitulé „bihang“ (soit „annexe“, mais n'ayant pas lu la traduction française je ne sais pas quel terme exact la traductrice a choisi), une expression employée plusieurs fois dans le roman comme synonyme de „testicules“. Sascha lui-même est un personnage un peu étrange : avec tout ce qui lui arrive et étant qui plus est le narrateur de sa propre histoire, on pourrait penser qu'il serait sujet à de très fortes émotions et qu'il tenterait de les analyser. Or ce n'est pas le cas, puisqu'il exhibe plutôt des symptômes physiques, somatiques tels que la douleur ou l'excitation (sexuelle) que des états psychologiques tels que le deuil.

J'ai beaucoup apprécié la façon dont Aris Fioretos étudie les relations existant entre science, sexualité, politique, histoire, morale et art ainsi que la mise en contraste de théories historiques du genre – soit la réduction du sexe et du genre à une certaine orientation sexuelle – avec d'autres plus modernes – soit le genre (et le sexe) en tant que construction aux limites difficiles à établir. Voilà un roman intelligent et parfois drôle que je recommande à tous ceux et celles que Berlin et les théories du genre intéressent.

La vérité de Sascha Knisch est paru au Serpent à plumes. A noter qu'Anne Damour a établi la traduction française à partir de la version anglaise du texte réalisée par Aris Fioretos lui-même.

The author's website (auf deutsch, in English, på svenska).





Operation Clear Backlog: Episode 4

Sunday, July 4. 2010

Nota Bene: BiLLet MULtilinGUE / mulTILINgual PoST / MEHRsprachIGER EinTRag / FlerSPRÅkigt inlÄgG



And finally, the last part of this splendiferous excavating operation which already saved so many books – or rather what I had to say about them – from the jaws of oblivion... Without further ado, today's extraordinary selection:


Johan Kling: Människor helt utan betydelse

Människor helt utan betydelse
Johan Kling
Norstedts 2009
165 s.

Johan Klings debutroman har ofta presenterats som ett slags samtidsflanörlitteratur och de är Människor helt utan betydelse faktiskt. Sommaren 1998 i Stockholm: Magnus, som frilansar i mediabranschen, promenerar genom staden. Han tänker hela tiden på en kvinna som inte verkligen passar till honom och träffar människor han känner men inte vill vara med. Magnus söker jobb. De som kunde ha uppdrag åt honom vet värför han kommer. Till de andra, vänner, kollegor osv., säger Magnus att allt är bra. Och de säger precis samma sak. Världen är helt utan betydelse, människorna helt toma, bara skal. Till och med – eller framför allt – denna, vars namn upprepats och åter upprepats (till ex. Andreas Beckholt). De står som begrepp för meningsförlust. Stämningen är viktigast i boken. Det händer nästan ingenting, men då, vad skulle hända när alla ljuger om sig själva? Alla figurers favorituttryck är ju „det är bra“, „inte så farligt“ och „ingen fara“.
Det som ger charm till romanen är distansen som finns mellan det som Magnus tänker på och det som han och hans kompisar och kollegor pratar om. Kontrasten är ibland väldigt rolig. Magnus kanske är en loser, men han är också den enda som ifrågasätter världen, den enda som kämpar om sin individualitet. En elegant debut.

Bokhoras recension.
Människor helt utan betydelse publiceras av Norstedts.


Renée Vivien: La Dame à la louve
La Dame à la louve
Renée Vivien
Gallimard 2007 (1904)
141 p.

Changement radical de style et de sujet avec La Dame à la louve de Renée Vivien, un recueil de nouvelles „fin de siècle“ de 1904. Aventurières, prostituées, déesses, voyageuses solitaires, êtres androgynes, voilà les héroïnes que privilégie Renée Vivien dans ces textes au féminisme d'avant-garde. L'ambiance y est tour à tour fantastique, exotique ou mystique, le style toujours plein de panache et de lyrisme – parfois à la limite du kitsch.
Si bien sûr la découverte d'une auteure ayant exploré de bonne heure (pour le 20e siècle, j'entends) les questions de genre et l'homosexualité féminine m'enchante, je regrette cependant que ses personnages constituent plus des variations de certains archétypes/stéréotypes que des individus à la psychologie plus élaborée. En gros c'est femme forte voire insensible et cruelle contre homme primitif et lâche. Seuls les décors et les noms changent. Les textes du recueil étant très courts, je veux bien lui accorder le bénéfice du doute et croire que le format est en partie responsable de cette impression. Il faudrait que je tente de lire le roman autobiographique, Une femme m'apparut, de cette Anglaise d'expression française, grande voyageuse et traductrice de Sappho, pour voir si celle-ci se confirme ou non.

„Au fond de notre amitié, pourtant réelle, croupissait une vase corrompue de soupçon, de haine même. Elle se défiait de moi, et je n'oubliais pas mon ressentiment féroce de mâle dédaigné. Les hommes sont des cochons, voyez-vous, de simples cochons : c'est d'ailleurs leur unique supériorité sur les femmes, qui ont parfois la faiblesse et le tort d'être bonnes... Je ne pardonnerai jamais à Nell de ne point avoir voulu être ma maîtresse... Je ne le lui pardonnerai jamais, non, pas même à mon lit d'agonie...“ (p. 97, Brune comme une noisette)

La Dame à la louve est publié chez Gallimard en collection folio 2 €.


Jeanette Winterson: The Stone Gods

The Stone Gods
Jeanette Winterson
Hamish Hamilton 2007
207 p.

I'll say just enough about this book to tease you. The rest you'll have to discover by yourselves, for I believe it is how it should be read: without too much preparation. The Stone Gods is science fiction at its best – whatever Jeanette Winterson herself might say about her work, yes, this is science fiction. The kind that understands that it's not so much the depiction of potential technological progress that's important, than the exploration of a society's response to this progress. What kind of new social phenomenon will arise from it? What unforseen or unwanted tendencies will grow out of it? Such are the questions found at the core of truly thought-provoking SF.
The Stone Gods is a tale of the birth and death of worlds, an exploration of both the past and the future, and, as always with Winterson, of gender, sexuality, consciousness, and storytelling as such. Beautifully served by Winterson's imaginative prose and featuring a heroine, Billie Crusoe, who is quite the sort of standoffish female character with a rough sense of humour and a keen mind that I like so much – think Thursday Next, Smilla Jaspersen or Daria Morgendorffer –, The Stone Gods is an absolute must read.

„This new world weighs a yatto-gram.
But everything is trial-size; tread-on-me tiny or blurred-out-of-focus huge. There are leaves that have grown as big as cities, and there are birds that nest in cockleshells. On the white sand there are long-toed clawprints deep as nightmares, and there are rock pools in hand-hollows finned by invisible fish.
Trees like skycrapers, and housing as many. Grass the height of hedges, nuts the swell of pumpkins. Sardines that would take two men to land them. Eggs, pale-blue-shelled, each the weight of a breaking universe.
And, underneath, mushrooms soft and small as a mouse ear. A crack like a cut, and inside a million million microbes wondering what to do next. Spores that wait for the wind and never look back.
Moss that is concentrating on being green.“ (p. 3)

Lazy loved it, too (in Swedish).
The Stone Gods is published by Hamish Hamilton (Penguin).


Typhon en culottes courtes

Wednesday, June 16. 2010


L'écume de l'aube
Roger Leloup
Duculot 1991
279 p.

L'écume de l'aube est certainement l'un des romans que j'ai le plus souvent relus. Ayant récemment rédigé un article (à paraître en août) sur Yoko Tsuno, mon héroïne de BD préférée, j'ai eu envie de me replonger dans le récit de sa jeunesse. Yoko naît et grandit sur l'île du Songe, île japonaise imaginaire. Fille unique et turbulente d'un géophysicien et d'une femme au foyer, elle chamboule la vie de sa famille le jour de son cinquième anniversaire où elle s'introduit dans le pavillon situé au fond du jardin. Son grand-père, ancien ostréiculteur ayant fait faillite pour avoir poursuivi en vain son rêve de créer une perle transparente, y vit en reclus, entouré d'aquariums. Depuis la mort de sa femme qu'il se reproche d'avoir tant négligée parce que trop occupé à courir après son rêve, Onoue Tsuno est brouillé avec ses enfants et n'a jamais daigné faire la connaissance de sa petite-fille. Mais lorsqu'il découvre Yoko, pleine de joie de vivre et fascinée par ses aquariums, il tombe rapidement sous son charme et se réintègre peu à peu à la vie de famille. Au fil des années, la complicité de la petite fille avec son grand-père et Aoki*, le kamikaze devenu moine bouddhiste qu'Onoue sauva pendant la guerre, grandit. Et puis un jour, sans trop savoir ce qu'elle demande là, Yoko persuade son grand-père de retenter la réalisation d'une perle transparente, l'écume de l'aube, qui l'amènera, presqu'adulte, à vivre sa première aventure hors du Japon.

Casterman 2000

Il est assez rare que les héros de bande dessinée vivent aussi des aventures sous forme de roman ; le seul autre exemple qui me vienne à l'esprit, du moins en BD européenne, c'est Hugo Pratt avec Corto Maltese (La Ballade de la mer salée) et Cour des mystères (Corto en Sibérie). Je n'irai certes pas prétendre que L'écume de l'aube est un chef-d'œuvre de style – il souffre en effet de quelques métaphores éculées et de répétitions. Il n'en reste cependant pas moins que c'est un récit très efficace, agréable à lire et, comme toujours avec Yoko et Roger Leloup, très humain. Yoko n'est pas une enfant modèle. Sa jeunesse est parsemée de grands secrets et de petits mensonges, de contradictions et de colères et ses joies, ses peines, son premier amour et son désir d'aventure et d'inconnu ne manquent jamais de me toucher, même après plusieurs relectures. Est-ce parce que je connais sur le bout des doigts l'univers de cette héroine ou parce que ses aventures m'accompagnent depuis l'enfance que ce roman d'apprentissage me parle autant ? Les deux sans doute. Et je n'en suis sûrement pas à ma dernière relecture. À noter que le roman est illustré de superbes crayonnés de l'auteur.

*Aoki apparaît aussi dans l'album La fille du vent de 1979, l'un des meilleurs (et des plus tristes) de la série.

L'écume de l'aube fut publié pour la première fois chez Duculot (1991). Cette édition est épuisée depuis longtemps mais Casterman en a sorti un version cartonnée en grand format toujours disponible.

L'avis de Bladelor.



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