Der nächtliche Lehrer
Klaus Böldl
S.Fischer 2010
126 S.

Die Geschichte eines Einzelgängers im schwedischen Wald. Wer jetzt robuste, holzfällende Wikinger erwartet, könnte enttäuscht werden, denn sowas gibt es in Klaus Böldls neuem Roman Der nächtliche Lehrer nicht. Nach Abschluss seines Referendariats in Stockholm soll Lennart seine erste Stelle als Kunst- und Religionslehrer – mit Betonung auf dem Fach Kunst – in der kleinen Stadt Sandvika antreten. Während andere sicherlich darüber entsetzt wären, in die dunkelste Provinz versetzt zu werden – Lennart braucht eine Weile, um Sandvika überhaupt auf der Karte zu finden, was dem neugierigen Leser aber glatt misslingt, denn Sandvika existiert gar nicht, zumindest nicht in Schweden –, findet sich der Protagonist schnell damit ab und gewinnt sogar beim ersten Besuch in Sandvika den Eindruck, dass er durchaus dort leben könnte. Ruhig und zurückhaltend genießt Lennart die Nähe der in der schwedischen Einöde allgegenwärtigen Natur mehr als die der Menschen, lernt jedoch eine Frau kennen, die Bibliothekarin Elisabeth, die er heiratet und mit der er sogar ein Kind bekommen sollte, wäre sie nicht hochschwanger in einem Verkehrsunfall gestorben. Was darauf folgt ist die stark elliptische Erzählung einer Trauer über Jahrzehnte hinweg: Lennart zieht sich immer mehr in die Natur und in sich selbst zurück, schreibt sogar ein erfolgreiches – nur bei den lieben Kollegen nicht, denen künstlerische Visionen nicht geheuer sind – naturphilosophisches Buch, Waldgedanken, und geistert durch Stadt und Nacht herum.

Romane über Trauer können leicht in die Pathosfalle geraten, nicht aber Der nächtliche Lehrer. Statt einer psychologischen Studie liefert Klaus Böldl vielmehr eine Art Beobachtungsprotokoll. Wie sehr der Tod seiner Frau Lennart mitnimmt, versteht man erst durch die irritierte bis feindselige Reaktion seiner Kollegen auf sein Verhalten und die jahrzehntelange Wiederholung bestimmter Rituale. Was er genau fühlt, kann der Leser nur erahnen, denn es ist etwas Unsagbares. Diese erzählerische Zurückhaltung wird zwar viele frustrieren, mündet aber keinesfalls in 126 Seiten Leere, sondern erlaubt das Einbetten einer Fülle von Motiven, dank derer Der nächtliche Lehrer zu einem gelungenen atmosphärischen Roman wird. So kommt Lennarts Ankunft in Sandvika, ganz am Anfang des Romans, einem geradezu photographisch oder filmisch vor. Die Hitze, die lange Zugreise, die leeren Straßen und das halb leere Restaurant mit dem stinkenden Stammalkoholiker: Man braucht wirklich nicht viel Einbildungskraft, um die Ankunft des neuen Lehrers in der schwedischen Kleinstadt in den ersten Auftritt eines Cowboys im Saloon eines Präriekaffs im Wilden Westen zu verwandeln. Und Lennarts erster Besuch in der wegen der Maihitze völlig leeren Schule könnte problemlos dem japanischen Kino bzw. Anime entstammen, die solche Szenen zu ihrem Standardrepertoire zählen – allerdings ist diese Ähnlichkeit mit großer Sicherheit ein reiner Zufall und kein gewollter Effekt.

Wie von einem Altskandinavisten zu erwarten ist, finden in Der nächtliche Lehrer aber auch Elemente aus Skandinaviens Frühgeschichte und aus dem Mittelalter Verwendung: Lennart hält sich am liebsten auf einem bronzezeitlichen Grabhügel auf, vertieft sich in der Kontemplation teils religiöser, teils grotesker Kalkmalereimotiven in einer kleinen Kirche, erzählt Elisabeth von der Vorliebe des Werwolfs für schwangere Frauen – der Verzehr eines ungeborenen Fötus soll das einzige Heilmittel gegen Lykanthropie sein – und wird irgendwann zum Wiedergänger seinerselbst. Wer mit Klaus Böldls Forschungsinteressen vertraut ist oder gar seine Veranstaltungen besucht (hat) wird hier also mit großer Freude auf alte Bekannte treffen. Diese Motive dürfen jedoch nicht für eine bloße Forschermarotte gehalten werden. Sie tragen zu einem Verwirrspiel zwischen Realität und Erfindung bei, indem Fakten – der Aufbau von Grabhügeln, die Kalkmalereienmotive, das Faible des Werwolfs für schwangere Frauen (echt in dem Sinne, dass es sich um eine dokumentierte Sage handelt) – in einer fiktiven Landschaft zusammentreffen. Und dieses wird noch durch Entlehnungen aus dem Repertoire des Märchens und des Mythos verstärkt. So erblickt Lennart im Wald mehrmals ein junges Mädchen im roten Kleid und zieht eine Parallele zwischen Elisabeth im Grab und der jungen Frau im Grabhügel, also zwischen seinem individuellen Verlust und einem Wesen aus einer sagenumwobenen Zeit, das längst seinen Weg ins kollektive Gedächtnis gefunden hat, wodurch er seiner Trauer eine mythische Dimension verleiht. Lennarts Figur selbst, die sich vollends der linearen Zeit zu entziehen und sich der zyklischen Zeit hinzugeben scheint, indem ihr nur noch die Jahreszeiten und nicht mehr die Jahre etwas bedeuten, und die zwischen den Welten (Stadt/Natur, Inland/Ausland, Leben/Tod) wandert wie keine andere, übernimmt mythische Züge. Am Ende bleibt eine gespenstische Erscheinung übrig, immer den selben abgenutzten Anzug und die ewig wiederkehrende Aktentasche tragend, die jeder vom Sehen kennt, deren Geschichte aber langsam verloren geht. Selbst Lennarts Buch, dieser internationale Erfolg, scheint verschwunden zu sein, dem Internet keiner Erwähnung wert und für die jüngere Generation somit eine Chimäre.

Zu kritisieren ist an diesem Roman nur wenig: die etwas zu lang geratene erste Beschreibung von Lennarts Wanderungen durch den Wald – Linné und Rousseau lassen grüßen – und vor allem der inflationäre Gebrauch des Ausdrucks „ein wenig“. Call me crazy und pingelig aber selbst bei allem Verständnis für den dadurch erstrebten dämpfenden und nuancierenden Effekt geht mir sowas gehörig auf die Nerven, zumal das gelegentliche Ersetzen durch „ein bisschen“ oder „etwas“ das Problem hätte lösen können. Dessen ungeachtet ist Der nächtliche Lehrer aber ein schöner und kluger Text über Trauer, Kunst und Einsamkeit, der statt Spannung suggestive Kraft und lang nachhallende Bilder bietet. Sehr lesenswert.

Der nächtliche Lehrer erscheint bei S. Fischer.




Operation Clear Backlog: Episode 3

Dimanche, 30 mai 2010

Nota Bene: BiLLet MULtilinGUE / mulTILINgual PoST / MEHRsprachIGER EinTRag / FlerSPRÅkigt inlÄgG


The operation Clear Backlog continues, yes, yes, and this third episode shall reveal, like the first, works of mixed quality, origin and topic.

Hermann Hesse: Demian

Demian
Hermann Hesse
Suhrkamp 2007 (1919)
155 S.
Achtung: Kitsch sondergleichen! Soviel Dusseligkeit dürfte nicht erlaubt sein. Hesse schrieb Demian in drei Wochen während des ersten Weltkrieges, und das merkt man. Der Text enthält zu viel Unnötiges samt einer gehörigen Portion Pathos, und stützt sich zu sehr auf den Gedanken, dass die mehrfache Wiederholung eines Statements allein von seiner Wichtigkeit überzeugen kann.

Demian erzählt vom Werdegang des jungen Emil Sinclair, Sohn einer bürgerlichen Familie, der in einer so klar schwarzweiß definierten Welt lebt, dass man ihm schnell ein einfaches Gemüt unterstellt. Seine Welt gerät allerdings ins Wanken, als er sich durch (jugendlichen) Leichtsinn den lokalen bösen Jungen zu sehr nähert und von der Titelfigur Demian aus seiner zunehmend heiklen Lage gerettet wird. Die Zeit vergeht und Emils Freundschaft zu Demian, dem sonderbaren Jungen, der so viel Geheimnisvolles weiß, wächst, wozu sich auch leidenschaftliche Gefühle für Demians Mutter Eva gesellen. Viele Fehler, Exzesse, existentielle Fragen und esoterische Versuche später ziehen Emil und Demian in den Krieg, der zur endgültigen Trennung der beiden führt und das Ende von Emils Selbstfindung markiert.

So viel flache, klischeehafte Esoterik habe ich selten gelesen und schon gar nicht von Hesse erwartet, der mit dem freilich mehrere Jahre nach Demian erschienenen Roman Der Steppenwolf bewiesen hat, dass er es besser kann. Demian fehlt die Stringenz, die Kraft, die Subtilität und die Ironie des Steppenwolfs, wobei Letzteres vermutlich das Hauptproblem darstellt: Alles ist in Demian furchtbar ernst gemeint! Und wenn das Kitschigste und Lächerlichste so ernst gemeint ist, tut es nur noch weh – besonders der erste Teil, als Emils Welt noch unversehrt ist, hat mich Einiges an Überwindung gekostet. Und doch hätte ich mich von diesem Bericht einer Jugend angesprochen fühlen sollen, deren Bedürfnis nach Individualität mit dem Streben der Gesellschaft nach Gleichförmigkeit kollidiert. Ich habe ihn zwar im Rahmen einer Prüfung gelesen, habe ihn aber freiwillig ausgewählt und war ursprünglich sehr neugierig auf diese Erzählung, an den sich Mamiya Okis Manga Das Demian-Syndrom (Yaoi, Yaoi ;-)) anlehnt. Und es sind tatsächlich der homoerotische Subtext der Freundschaft zwischen Emil und Demian sowie das Spiel mit den Grenzen zwischen männlich und weiblich, die beide in der finalen Kussszene kulminieren, die mich am Ehesten interessiert haben. Aber den ganzen Rest hätte ich mir wirklich sparen können. Und wer Lust auf geheime Glaubensgemeinschaften, wirre Träume und Abenteuer mit Stil hat sollte lieber Corto Maltese lesen.

Demian erscheint bei Suhrkamp.


On va faire court, j'ai la flemme de traduire ma critique allemande en français : Demian, c'est nul et complètement kitsch (non vraiment j'ai souffert en le lisant). Rarement lu autant d'ésotérisme à deux balles. Pas la peine de perdre votre temps avec ce récit d'une jeunesse contrariée pas convaincant, plein de pathos et dénué de recul ou d'ironie (écrit en trois semaines et ça se sent). Allez donc plutôt lire directement Le Loup des steppes, c'est autrement plus réussi et complexe. Ou alors, si vous voulez lire de chouettes histoires d'organisations secrètes ésotériques, pleines d'onirisme et d'aventure, allez donc voir du côté de chez Corto Maltese.

Demian est publié chez Stock et Le Livre de poche.


PC Jersild: En levande själ

En levande själ
PC Jersild
Bonniers 2007 (1980)
266 s.
Ypsilon heter en naken hjärn som simmer i ett akvarium i något laboratorium. Den vet inte vem den är, har glömt allt som hände innan den blev reducerat till en hjärn med bara ett öga (för input) och båda öron (som stabilisatorer) kvar. Den är fångad där och berättar om sin historia medan den experimentas på: om hur den blir kär i laboranten Emma, om sitt äventyrliga flyktförsök och om det som den får ta reda på om experimentet och dess ledare.

En levande själ är en underbar SF roman som kritiserar medecinens utveckling till en ren rationalistisk vetenskap helt utan etik som blir slav under marknadens princip av alltid mer, alltid snabbare. Den visar med mycket humor hur absurd denna absoluta rationalism är som försöker att förvandla människorna i automatiska maskiner utan själ eller känslor (på det sättet som Descartes betraktade djur). Romanen avsluter på hemskt vis men även om ämnet är allvarligt och tragiskt, så får jag säga att Ypsilons berättande är hur komiskt som helst med dess naiva-optimistiska synpunkt. En levande själ kan varmt rekommenderas!

En levande själ publiceras av Albert Bonniers.


Ypsilon, ainsi s'appelle un cerveau nageant dans un aquarium quelque part dans un laboratoire indéterminé. Il ne sait pas qui il est ni ne se souvient de ce qui s'est passé avant qu'il ne soit réduit à l'état de cerveau auquel ne restent attachés qu'un œil (input) et les deux oreilles faisant office de stabilisateurs. Prisonnier de cet état, il nous raconte son histoire pendant qu'on lui fait subir des expériences : comment il tombe amoureux d'Emma la laborantine, sa tentative d'évasion rocambolesque et ce qu'il a réussi à découvrir au sujet de l'expérience et de celui qui la conduit.

Mon âme dans un bocal est un formidable roman de science fiction critiquant l'évolution de la médecine vers une science purement rationnaliste, dépourvue d'éthique et devenant l'esclave des lois du marché exigeant toujours plus, toujours plus vite. Il montre avec beaucoup d'humour toute l'absurdité de ce rationalisme absolu cherchant à transformer les humains en des machines automatiques sans âme ni émotions (en gros selon le principe des animaux-machines de Descartes). Le roman s'achève sur une note particulièrement amère mais, même si le sujet est en soi sérieux et tragique, il faut bien reconnaître que le point de vue naïf et optimiste d'Ypsilon est délicieusement comique. Un roman que je vous recommande chaudement !

Mon âme dans un bocal est publié chez Actes Sud.


Jack Kerouac: The Subterraneans

The Subterraneans
Jack Kerouac
Penguin Books 2001 (1958)
163 p.
You don't read Kerouac for the story, in this case a lovestory: they're both a bit mad, want each other, but being that involved with another human being can be scary, so it has to stop. You read him for his style. And it's not one made for being read hours on end. Kerouac's spontaneous prose, a kind of stream of consciousness on drugs, is extremely powerful and overwhelming. So much so that after a while you'll begin to feel dizzy and nauseous because the ride is too wild for your brain. You'll feel atmospheres gush into you, see characters dance in and out of view, ideas will coil around your neck and tighten slowly. But eventually you'll have to breathe and put the book aside. It's too much. And, being more akin to poetry than standard prose, it should be read aloud rather than be left to spin silently in your mind. Judge for yourself:

„And so having had the essence of her love now I erect big word constructions and thereby betray it really – telling tales of every gossip sheet the washline of the world – and hers, ours, in all the two months of our love (I thought) only once-washed as she being a lonely subterranean spent mooningdays and would go to the laundry with them but suddenly it's dank late afternoon and too late and the sheets are grey, lovely to me – because soft. – But I cannot in this confession betray the innermosts, the thighs, what the thighs contain – and yet why write? – the thighs contain the essence – yet tho there I should stay and from there I came and'll eventually return, still I have to rush off and construct construct – for nothing – for Baudelaire poems –“ (p.16)

The Subterraneans is published by Penguin Books.




Mikrokosmische Studien

Mardi, 12 janvier 2010


Verglüht
Catrin Barnsteiner
SchirmerGraf 2004
168 S.

Getriebenen von der Schwierigkeit, mich für eine bestimmte Lesesprache oder ein besonderes Thema festzulegen, habe ich mich eine Weile lang auf Novellensammlungen konzentriert (siehe auch den Eintrag über Yôko Ogawa): schnell gelesen, thematisch abwechslungsreich und in allen möglichen Sprachen vorrätig, in einem Wort: perfekt. Entdeckt habe ich bei dieser Kurzgeschichtenwelle Catrin Barnsteiners Debüt Verglüht, über den ich in SchirmerGrafs Katalog gestolpert war. Im Gegensatz zum Rezensenten der FAZ halte ich eine genaue Inhaltsangabe von jeder Novelle in diesem Fall für sinnlos, arbeitet Catrin Barnsteiner in ihren Texten doch sehr stark auf eine Pointe zu, die es durch Spoiler nicht zu zerstören gilt. Es möge also genügen, zu sagen, dass sie alltägliche Situationen schildert, wobei sie ihre Aufmerksamkeit den kleinen störenden Details und anderen unangenehmen Wahrheiten widmet, die die Betroffenen vor der Welt, wenn nicht sogar vor sich selbst, verstecken möchten und nur Leute mit einer besonderen Beobachtungsgabe entdecken können. Die hier inszenierte, auf den ersten Blick so normale Figurenkonstellation zeichnet sich jedoch durch eine gewisse Vielfalt aus: Ob schüchterne junge Frau, alte Damen, Handwerker, Verkäuferin, Fotograph, alter Mann, junges Mädchen oder Privatdetektiv – unter anderem –, alle sind psychologisch und sprachlich so gut getroffen, dass jede Geschichte eine eigene Atmosphäre besitzt. In einigen Fällen kann dies auch eine Schwäche sein, wenn z.B. in Das Fenster im Filter oder Die Äpfel die Hauptfigur in einem so klar umrissenen Mikrokosmos lebt, dass schon beim Auftreten des Störelements das Ende vorhersehbar wird. Und wie immer wenn Erzählungen situations- und figurengetrieben sind, kommt es vor, dass man als Leser bestimmte Situationen oder Figuren aus völlig subjektiven Gründen nicht ausstehen kann. In meinem Fall wäre hier die Novelle Ersatzflügel zu erwähnen, die von der Sehnsucht eines kleinen Mädchens nach Rollschuhen mit Flügeln dran und den alltäglichen Gemeinheiten handelt, die die Beziehungen innerhalb einer Familie, vor allem zwischen Geschwistern, so oft verderben. Sagen wir einfach, dass diese Kurzgeschichte mich daran erinnert hat, warum das schon gut ist, aus der Kindheit raus zu sein.

Die Mehrheit der Geschichten reicht aber von sehr gut bis grandios. Alle inszenieren sie mit zum Teil gnadenlosem Humor die Tragik des Unangepasstseins, der unerreichbaren Ideale, so bescheiden sie auch seien, und des Statusverlustes. Ob skurril wie in Artenvielfalt oder äußerst banal und deswegen so rührend wie in Der Mann mit der Thermoskanne, erzählt Catrin Barnsteiner von verzweifelten Versuchen, den eigenen Platz im Leben zu finden bzw. zu behalten. Einzige Ausnahme, vielleicht: die letzte, nur eine Seite (und ein bisschen) lange, besonders witzige Geschichte, deren Protagonistin, obwohl nicht direkt verzweifelt, in einer höchst bizarren Situation die Seltenheit der Perfektion betont und somit die ganze Tragik der vorangehenden Figuren auf den Punkt bringt – wie übrigens auch der Titel des Textes: Das Glück, dreckig.

Sollte ich meine Lieblingsgeschichte aus dem Band auswählen, müsste ich zwei nennen: Und verführe uns in Versuchung, bitte und Verglüht. Erstere verfolgt das Ritual zweier alten Damen bei ihren Vorbereitungen für die Beichte und die Beichte selbst, die sie zu Hause empfangen. Durch ihre eigenartigen Figuren, das originelle Thema und den auf jeder Ebene gnadenlosen Humor, mit dem es behandelt wird – die Reflexion über Sünde, Beichte und Strafgesetz auf S. 25 ist absolut köstlich – sowie ihre perfekte Struktur und bittere Pointe erscheint Und verführe uns in Versuchung, bitte (der Titel überhaupt ist genial) als ein kleines Meisterwerk: 16 Seiten puren Glücks – für den Leser versteht sich, nicht unbedingt für die Figuren, denn das Glück ist, wie wir wissen, dreckig.

Verglüht, deren Protagonistin eine Fitness-Trainerin ist, die sich auf die von ihren Kollegen gehasste Kundschaft der Midlife Crisis-Männer spezialisiert hat, ist aber möglicherweise noch dreckiger, obgleich banaler in Ton und Thema. Dennoch wird auch hier der Leser meisterhaft hinters Licht geführt. So meint man zunächst die Motivation dieser Frau für diesen Job zu verstehen und ist durch diese nicht gerade sympathische Figur und ihr noch weniger attraktives Klientel irritiert – Eimer schwitzende, prollige Vierzig- oder Fünfzigjährige sind nunmal nicht mein Fall – bis sich der Verdacht einschleicht, dass man die Aussagen der Trainerin missinterpretiert hat und die Realität noch hässlicher sein könnte als vermutet.

Hübsch finde ich zuletzt als verspielte Literaturwissenschaftlerin die Tatsache, dass jenseits der oben aufgeführten Themen weitere, subtilere Motive in mehreren Geschichten wieder auftauchen. So sind mir bei der ersten Lektüre zwei Motivkomplexe aufgefallen: Textilien in Eine Party, Und führe uns in Versuchung, bitte, Größe 36, Eine Detektivgeschichte und Das Glück, dreckig, und das Erstellen von Listen und Kategorien, das Zählen und Klassifizieren in Eine Party, Verglüht, Artenvielfalt, Ersatzflügel und Die Äpfel.

Alles in allem ist Verglüht in gelungenes Debüt, das mich, jenseits der im Klappentext zu Recht erwähnten amerikanischen Tradition der Short Stories, durch seine Thematik und seine Liebe zum Detail an Katrin Askans Erzählband Wiederholungstäter erinnert hat sowie durch die Skurrilität einiger Texte (z.B. Artenvielfalt oder Die Äpfel) an Yôko Ogawas Texte, wenn auch in einer europäischen Färbung und ohne ihre poetische, (alp)traumähnliche Note.






„Eintritt kostet den Verstand“

Jeudi, 9 octobre 2008


Der Steppenwolf
Hermann Hesse
Suhrkamp 2002 (Erstausgabe 1927)
229 S.

Klassiker, und seien sie aus dem 20. Jh., zu rezensieren ist eine schwierige Übung. Oft haben sie den unangenehmen Beigeschmack der verhassten Schullektüre, die nun als miefiger und wenig einladender Band in einer dunklen Ecke der Bibliothek – oder gar des Kellers – vor sich hin schlummert und langsam zerfällt. Oder man hat sie sich irgendwann, von einer Mischung aus Neugier, Wahnsinn und Ehrfurcht getrieben, zugelegt und sich seitdem konsequent ihrer Anziehungskraft entzogen – hier bitte Letzteres ankreuzen. Bis ein wohlwollender Geist einem nächtens zuflüstert, es sei jetzt an der Zeit dieses Werk wieder zu beleben. In diesem konkreten Fall spielte die immer so inspirierende Magda die Rolle des magischen Vermittlers, indem sie mir wieder Lust gab, einen wilden Klassiker zu zähmen, nämlich Hermann Hesses (1877-1962) Steppenwolf.

Als Steppenwolf bezeichnet sich der etwa 50-jährige Intellektuelle Harry Haller, der im ständigen Konflikt mit sich selbst und seiner Umwelt lebt: Einerseits findet er, einem in einem Käfig gefangen gehaltenen Wildtier ähnlich, seinen Platz in der bürgerlichen Welt der 1920er nicht, andererseits kann er sich von diesem Milieu nicht verabschieden, für das er sogar eine gewisse kindische Nostalgie empfindet. Als Mensch mit einer „Dimension zuviel“, verbitterter, tragikomischer Antiheld irrt er durch die Nacht und durch die Stadt, schimpft dabei innerlich über die Verdorbenheit der Zeit und stößt schließlich in einer leeren Gasse auf eine seltsame Lichtreklame: „Magisches Theater. Eintritt nicht für jedermann – nicht für jedermann“, und dazu noch „Nur für Verrückte!“ – letzterer Spruch wird zum Motto des gesamten Werks, und was es mit diesem magischen Theater auf sich hat erfährt man im letzten Teil des Romans. Wenig später erhält Harry von einem zufällig getroffenen Mann ein sonderbares Büchlein mit dem Titel „Tractat vom Steppenwolf“. Darin wird die Figur des Steppenwolfs, also Harrys, präsentiert und analysiert, deren dualistische Sicht der eigenen Seele zwar als scharfsinniger betrachtet wird als die allgemein verbreitete Annahme einer absoluten Einheit des gesunden Menschen – einer wie Harry gilt ja aus bürgerlich-normaler Perspektive, wie im Vorwort des fiktiven Herausgebers seiner Aufzeichnungen angedeutet, als geisteskrank –, jedoch auch als grobe Vereinfachung der Realität denunziert wird. So postuliert der Traktat die Vielfältigkeit der Seelen, die in einem Menschen wohnen, und verzichtet dadurch auf das Konzept der Identität. Hinzu werden noch Selbstmord – bzw. Selbstmordgedanken –, Kunst und Unsterblichkeit thematisiert und Humor als wichtigstes (Über)Lebensmittel und Form der Transzendenz vorgeschlagen. Diese Betrachtungen liefern die Leitmotive für Harrys Geschichte, der bald von Selbstmordgedanken geplagt über die schöne und geheimnisvolle Hermine stolpert, die ihn zusammen mit ihren Verbündeten Pablo und Maria – und gelegentlich mit Hilfe von Goethe und Mozart – mittels Tanzes, Drogen, Sex und eben magischen Theaters in die Kunst des Lebens und Liebens einweihen wird ; er soll Humor lernen, die Auflösung des Ichs am eigenen Leib erfahren.

Das Schicksal eines Einzelgängers mit der Kritik an die mitteleuropäischen Mentalitäten der Zwischenkriegszeit vereinend, stellt Der Steppenwolf einen unglaublich universellen Roman über die Stellung des Menschen in der Welt und seine konfliktreiche Beziehung zu ihr dar. Besonders unter die Lupe genommen wird jene Variante des Homo sapiens, hier u.a. von Harry und Hermine vertreten, die „eine Dimension zuviel“ besitzt, also empfindlicher auf die Welt reagiert als Andere und zugleich mehr von ihr verlangt. Diese Figuren tragen das ganze Leid der Menschheit auf ihren Schultern, geben sich mit dem für sie von Gesellschaft und Familie vorgesehenen Schicksal nicht zufrieden und suchen mal allein, mal zusammen nach einem eigenen Weg, der sie allerdings Exzessen und Zweifeln ausliefert. Erforscht wird hier eine an das Heiligtum erinnernde Konzeption des Heroischen, deren Charakteristika erhöhtes Bewusstsein, Lebensintensität und Infragestellung der Welt und des Selbsts sind.

Bei der Schilderung dieser Suche nach Sinn und einer Versöhnung mit der Welt lässt Hesse Nietzsches Philosophie auf buddhistische Lehre, Erkenntnisse und Theorien der Psychologie, Märchenelemente und Antikriegshaltung treffen – Hesses Klarblick bezüglich des aufkommenden zweiten Weltkrieges und der Gefahren der damaligen politischen Stimmung ist beeindruckend. Ständig verwischt er die Grenzen zwischen Sein und Schein, Fiktion und Realität, Traum und Wachzustand, sei es durch den Konsum von Drogen oder die Motive des Spiegels, des Doppelgängers, des Porträts und der Metamorphose; unter anderem durch Pablos magisches Theater und seine Vorwürfe an Harry wegen seines Verhaltens zu fingierten Welten wird der Text sogar selbstreferentiell. Des weiteren werden Geschlecht und Sexualität durch diverse Mittel – die androgyne Figur Hermines, Verkleidung, Rollentausch beim Tanz, Dreiecksbeziehungen – in Frage gestellt. Welten fließen ineinander, Individuen verschmelzen miteinander, verlieren sich in einer an Schnitzlers Traumnovelle erinnernde Ballszene oder in zerbrochenen Spiegeln. Dieses rege Spiel mit den Grenzüberschreitungen wird allerdings nicht zuletzt durch die eigenartige Struktur des Romans und den damit einhergehenden Perspektivenwechsel ermöglicht. So zeigt das Rahmen schaffende Vorwort des fiktiven Herausgebers – des Neffen von Harrys Vermieterin – die bürgerliche Wahrnehmung von Harrys Figur, der eines einsamen und psychisch gestörten Mannes, der abschreckt und fasziniert zugleich, und beeinflusst den ersten Eindruck des Lesers vom Steppenwolf (ich muss zugeben, dass ich das Vorwort aus eben diesem Grund als Letztes gelesen habe). Folgt dann der erste Teil von Harrys Aufzeichnungen, in dem er das Bürgertum kritisiert und sein ambivalentes Verhältnis zu ihm darlegt. Unterbrochen wird diese Introspektion durch den „Tractat vom Steppenwolf“, geschickte mise en abyme von Harrys Geschichte und theoretisches Pendant zum Vorwort, das zum einen das bereits geschilderte und geäußerte kritisch hinterfragt und neue Denkanstöße und Schlüsselelemente für den Rest des Romans liefert. Im zweiten Teil der Aufzeichnungen schließlich werden die theoretischen Ansätze des Traktats ausprobiert, ausgelebt und unterschiedlich interpretiert.

Durch seine kritische Auseinandersetzung mit Kulturpessimismus und Krieg und seine universellen Themen hat Der Steppenwolf nichts an Aktualität verloren – Erstausgabe 1927 – und sollte vielleicht von einigen Leuten mehr gelesen werden. Frisch und befreiend wirkt er sogar trotz der ernsthaften, darin gestellten Fragen, indem er die Rolle des Humors in Leben und Kunst hervorhebt und sich selbst seines bedient. Auch Hesses Stil muss an dieser Stelle gelobt werden, der den ohnehin komplexen und faszinierenden Inhalt dieser Odyssee sublimiert: langsam und genau, jedoch intensiv, fließend und bewegend. Ein wunderschönes Deutsch schrieb dieser Mann!
Tiefgründig, einzigartig, hypnotisierend, das alles ist Der Steppenwolf und ein echter Klassiker, im besten Sinne des Wortes. Ein wichtiges Buch.

NB: Der Steppenwolf ist eindeutig eine Abend- und Nachtlektüre.

La critique de Thom, convaincu lui aussi de l'importance de ce texte.

Der Steppenwolf erscheint bei Suhrkamp.

Publié en français sous le titre Le loup des steppes au Livre de poche; Steppenwolf is published in English by Penguin; Stäppvargen publiceras på svenska av Albert Bonniers.




Oyez, oyez, braves gens, mes vérités à deux francs six sous du jour : la reprise c'est duraille, déterminer un bon sujet de mémoire est une activité hautement périlleuse qui vous bouffe le cerveau, le moral et votre temps de lecture et d'écriture bloguesque et j'ai un tag de retard. Le pétage de plombs me guette constamment, planqué dans les buissons au sortir de ma tanière, prêt à m'assaillir à la moindre seconde d'inattention – je raconte nimp (mais je suis chez moi alors j'ai le droit) et j'ai jeté mon style à la poubelle pour l'occasion, yeah ! Bref, voici enfin ma contribution au tag de la page 123. Petit rappel de la marche à suivre :

1. Révélez par quelle voie – divine, démoniaque ou autre – cet outil de divertissement bloguesque est arrivé chez vous.

2. Saisissez-vous de votre lecture du moment et forcez la à s'ouvrir, magiquement, pile poil à la page 123 – caressez-lui le dos afin de l'amadouer et de ne pas vous faire mordre.

3. Recopiez le texte au sens lumineux – qui vous permettra accessoirement de sauver l'univers d'une mort certaine – des phrases 5, 6, 7 et 8 de la page susmentionnée.

4. Indiquez le titre et l'auteur de l'ouvrage dont sont extraites ces paroles si troublantes.

5. Choisissez soigneusement quatre victimes parmi vos amis blogueurs, qui n'échapperont au sacrifice humain que s'ils consentent, eux aussi, à se plier au rite de passage littéraire de la page 123.


1. La patate chaude, reçue en pleine tronche, vient de chez Ys, que je prie de ne surtout pas se méprendre sur le ton somme toute sarcastique de cette prière au dieu Tag, car il n'est nullement dirigé contre elle. Je ressens juste là-maintenant-tout-de-suite un besoin impérieux de raconter un monceau d'âneries. On pourrait au contraire même affirmer qu'elle me fournit une occasion salvatrice de laisser libre cours à mon incohérence fondamentale et ainsi de m'éviter une transformation imminente et irréversible en zinzin intergalactique. Donc on dit „Merci Madame Ys !“

2. Gentil petit, petit. Y veut un nonos, y veut un susucre – du crack ? GRRRRR Saloperie, il m'a mordue l'enfoiré. Viens par là sale bête... quelques prises de catch plus loin – censurées pour le bien de notre jeune public, sensible et délicat – la Bête gît, le regard déjà glauque mais le poil encore brillant, dans mes mains ensanglantées.

3. „Und wenn auch – was war denn von meinem „geistigen Leben“ noch übrig? Lag das nicht alles in Scherben und hatte seinen Sinn verloren? Aber meine anderen, meine persönlichsten Probleme und Anliegen, die würde sie alle verstehen, daran zweifelte ich nicht. Bald würde ich mit ihr über den Steppenwolf, über den Traktat, über alles und alles reden, was bisher nur für mich allein existiert, worüber ich nie mit einem Menschen ein Wort gesprochen hatte.“

4. Et le nom de la Bête est... Der Steppenwolf (Le Loup des steppes) de Hermann Hesse. „Nur für Verrückte“, n'est-ce pas Magda ?

5. Après une telle effusion de sang, le dieu Tag est certainement satisfait et repu – c'est du moins mon avis de grande prêtresse ; le premier qui me contredit, je le bouffe. Je ne vais donc pas désigner de nouvelle victime pour le moment – le troupeau est déjà assez décimé comme ça ; admirez ma magnanimité sans bornes – mais sachez que toute candidature volontaire au suicide littéraire rituel sera la bienvenue.


DADAgraphy/DADAgraphie

Lundi, 15 octobre 2007


A very short post today, just long enough to offer a very unpretentious bibliography (English and German titles) on and of DADA and Elsa von Freytag-Loringhoven to those of you who would like to read more about it. I hope you'll enjoy it ;-).

Heute nur eine ganz kurze Meldung von mir. Ich habe eine sehr einfache und keinesfalls vollständige Bibliographie (englisch- und deutschsprachige Werke) von und über DADA und Elsa von Freytag-Loringhoven für die unter Euch zusammengestellt, die sich für das Thema interessieren und gern mehr darüber lesen möchten. Viel Spaß damit ;-).

Dadagraphy/Dadagraphie (PDF)



Dada+Baroness=Elsa

Samedi, 13 octobre 2007


Mein Mund ist lüstern/ I got lusting palate
Dada-Verse von Elsa von Freytag-
Loringhoven.
Hg. von Irene Gammel
edition ebersbach, 2005
144 p.
Baroness Elsa. Gender, Dada and Everyday Modernity - A Cultural Biography.
Irene Gammel
The MIT Press, 2003
(1st ed. 2002)

J'ai écrit il y a quelques jours dans un commentaire à mon précédent billet qu'il faudrait que je me botte un peu le train et que je rédige enfin un article sur mon artiste dada préférée ; alors voilà je m'exécute. Il s'agit d'Elsa von Freytag-Loringhoven (1874-1927), poétesse et artiste d'origine allemande expatriée à New York puis à Paris. Elle écrivait en anglais et en allemand et, autant que je sache, il n'existe malheuresement aucune traduction de ses poèmes en français. La suite de ce billet sera donc en anglais plutôt qu'en français ou en allemand, afin de le rendre accessible, je l'espère, à un plus large public.

Dada is often presented as an all-male – and a mostly European – artistic movement, but, thanks to the efforts of some scholars who dare challenge this view of literature and art history, a few publications on the role of women in dada are now available. Elsa von Freytag-Loringhoven aka The Baroness – she gained her title through her third marriage – was probably one the most important figures of New York dada and definitely the most excentric one, but is generally absent from reference works and anthologies on dada. I stumbled upon her name, quite by chance (I had misunderstood a name and found hers instead of the one I should have been looking up), two years ago and later intended to write a paper about her poetry, which I eventually didn't do for lack of time.

She was born in Germany in 1874 but went to Kentucky with her second husband, the poet and translator Felix Paul Greve (aka Frederick Philip Grove), in 1910 and, after he left her, to Cincinnati and finally New York City in 1913. There she worked as a model, painter, sculptress, poetess and was also a notorious thief. She was radical in her art as well as in her way of life, accusing some of the most prominent – and today best remembered – artists of the time like Marcel Duchamp, with whom she had a very complex relationship, of compromising too easily with established social rules. She also became one of the first performance artists, marching around New York City in very provocative, self-made outfits and declaiming poetry whenever and wherever she felt like. Though admired by some, she lived most of the time in extreme poverty and died in Paris in 1927 (for a more detailed biography, please see the book suggestions and the links at the end of this article).

Her poetry, which was mainly, if ever, published in The Little Review – alongside extracts of Joyce's Ulysses and other milestones of modernistic fiction and poetry –, had been more or less left untouched in the archives of two American Universities (Maryland and Wisconsin-Milwaukee) and in any way unpublished for 80 years until a German scholar, Irene Gammel, took interest in them and decided to edit a bilingual collection of some of these poems.

With this book I discovered Elsa von Freytag-Loringhoven's poetical work, which ranges from more expressionistic pieces to downright dada nonsense-poems. One of her trademarks is to replace parts of the syntax with mathematical symbols like „=“ or with spaces and lots of dashes and she has in common with other dada poets a sometimes nonlinear organisation of her texts and a use of different fonts and font sizes. Characteristic for her is also the way she creates her own new words when needed or splits those that already exist. Some of her poems are written in English, others in German, some exist in both an English and an German version and she sometimes blends the two languages together. With all this creativity, her language is rich, incredibly powerful, very plastic and rhythmic and often strongly onomatopoeic; her poems really deserve to be read aloud!

But the great force of her poetry comes from the combination of these formal characteristics with serious or controversial subjects like sexuality or consumerism – it really wouldn't be half as fun and interesting if she had written only about flowers and nice landscapes. Thus she wrote in an often straightforward manner about female orgasm – at a time when this was not a subject one could talk about freely –, contraception, masturbation or impotence. And in order to criticize consumerism she took popular advertisements and used them as raw material for her poetry. As an example of this, the beginning of her poem, A Dozen Cocktails Please:

No spinsterlollypop for me – »yes – we have
No bananas« I got lusting palate – I always
Eat them – – – – –
They have dandy celluloid tubes – all sizes –
Tinted diabolically like a bamboon's
Hind complexion.

quoted from Gammel, Irene (ed.): Mein Mund ist lüstern/I got lusting palate. Dada-Verse von Elsa von Freytag-Loringhoven. edition ebersbach, Berlin 2005.

Irene Gammel has also written a biography of EvFL called Baroness Elsa. Gender, Dada, and Everyday Modernity. A Cultural Biography. published in English by The MIT Press.

Irene Gammels Biographie von Elsa von Freytag-Loringhoven ist auf deutsch bei edition ebersbach unter dem Titel Die Dada Baroness. Das wilde Leben der Elsa von Freytag-Loringhoven. erschienen.

Another collection of EvFL's poems, Subjoyride: Selected Poems, edited by Rudolf Kuenzli is to be released by Green Integer by the end of the year.

Wikipedia has a short article on Elsa von Freytag-Loringhoven with very interesting links (short biography, essays about her poetry, selected poems...).


(Page 1 de 1 sur 7 billets au total)